Der Vermeider hat keinen Mangel an Verlangen. Ihm fehlt die Toleranz für das, wohin Verlangen führt. Verlangen, ehrlich verfolgt, führt zu Bedürftigkeit. Bedürftigkeit bedeutet Verletzlichkeit. Verletzlichkeit bedeutet Ausgesetztheit. Ausgesetztheit wird irgendwo in seinem Nervensystem somatisch immer noch als Gefahr registriert. Sein Körper hat gelernt, dass es in Enttäuschung, Verlassenwerden oder in die langsamere Erosion mündet, wenn ein anderer Mensch ihn ganz erkennt, während von ihm verlangt wird, anders zu sein, als er ist. Also hat er ein System aufgebaut. Ein sehr effizientes. Nah genug bleiben, um Verbindung zu spüren. Distanziert genug bleiben, um sicher zu sein. Sex als Medium nutzen, weil Sex wie Intimität aussehen kann, während er in Wirklichkeit deren Regulierung übernimmt. Das ist keine Manipulation. Es ist Anpassung, weil Männer, die dieses Muster in sich tragen, oft mit Scham bei ihrer eigenen Vermeidung ankommen und sich selbst als kaputt, verschlossen, liebesunfähig bezeichnen. Sie sind nichts davon. Sie sind Menschen, deren frühe Beziehungserfahrungen ihnen beigebracht haben, dass Nähe unberechenbar ist, und die eine außerordentliche Kompetenz darin entwickelt haben, die Distanz zu steuern, die sie davor schützt herauszufinden, ob das immer noch wahr ist.