Wir leben in dem, was der Philosoph Zygmunt Bauman „flüchtige Moderne“ nannte, in einer Zeit, in der sich alles schneller verändert, als der menschliche Geist leicht aufnehmen kann: die Wirtschaft, die Technologie, die Werte und sogar wissenschaftliche Fakten, die ständig diskutiert und überarbeitet werden. Aus Sicht der evolutionären Psychologie wurde der menschliche Geist nicht dafür gebaut, gleichzeitig mit dieser enormen Menge an Variablen, Möglichkeiten und globaler Komplexität bequem umzugehen. Das menschliche Gehirn hat sich entwickelt, um in konkreten Umgebungen schnelle und entschlossene Entscheidungen zum Überleben zu treffen, dort, wo Gefahr, Zugehörigkeit, Nahrung, Bedrohung und soziale Position unmittelbare Folgen hatten. Wenn wir dieses Gehirn in ein Zeitalter stellen, das von einem ununterbrochenen Strom widersprüchlicher Informationen und komplexer Daten überflutet wird, kann es in einen Zustand der „kognitiven Überlastung“ geraten. Genau in diesem Moment entsteht der Hunger nach „Gewissheit“.