Der Akt selbst kann kurz sein, fast lächerlich kurz, und trotzdem bauen Menschen ganze Leben darum herum. Sie lügen dafür, heiraten ohne Verlangen, bleiben in toten Beziehungen, verraten sich selbst, jagen Aufmerksamkeit hinterher, vergleichen Körper, täuschen Lust vor, spielen Selbstsicherheit, bezahlen für Nähe, bestrafen sich mit Scham und stellen sich trotzdem nie die eigentliche Frage: Wonach hungere ich wirklich? Denn sehr oft ist dieser Hunger nicht nur körperlich. Es ist der Hunger, gewollt zu werden, ohne betteln zu müssen. Berührt zu werden, ohne benutzt zu werden. Gesehen zu werden, ohne jede Wunde erklären zu müssen. Für einen Moment die Rolle nicht mehr tragen zu müssen. Der starke Mann, die gute Ehefrau, der Erfolgreiche, die Spirituelle, die Unabhängige, der Mensch, der alles unter Kontrolle hat.