Ein Morgenimpuls für dich ☀️
Stell dir das Universum als ein einziges Ganzes vor: als eine universelle Gewahrseinheit, die als Bewusstsein erscheint. Beides ist nicht getrennt. Es ist wie der stille Ozean und die Welle, dasselbe Wasser, das nur unterschiedlich erscheint. Gewahrsein lässt sich als der stille, ruhige Aspekt verstehen. Bewusstsein als der aktive, sich bewegende Aspekt, der Form, Empfindung und Erfahrung hervorbringt.
Innerhalb dieses universellen Bewusstseins erscheinen alle möglichen Formen, alle potenziellen Welten, jedes denkbare Muster, das jemals existieren könnte. Aus diesem Feld der Möglichkeiten entsteht eine Welt so, wie ein Traum entsteht: spontan, ohne dass jemand ihn entscheidet. Ein Traum wirkt stimmig, strukturiert und bedeutungsvoll, doch niemand innerhalb des Traums erschafft ihn. Er entsteht aus bereits vorhandenen Bedingungen und Möglichkeiten.
So lässt sich eine Sicht darauf beschreiben, wie das Universum erscheint. Die Welt läuft von selbst. Sie folgt Bedingungen. Wenn Bedingungen zusammenkommen, geschehen Dinge automatisch, ohne dass es einen zentralen Lenker braucht.
Das gilt auf jeder Ebene. Zellen teilen sich, weil die Bedingungen stimmen. Planeten entstehen, weil die Bedingungen stimmen. Du wirst in einen Körper mit einem bestimmten Gesicht, einer bestimmten Familie, Kultur und einem bestimmten Geist geboren, nicht weil jemand das gewählt hätte, sondern weil unzählige Bedingungen auf eine bestimmte Weise zusammengekommen sind.
Auch Gedanken, Wünsche, Gefühle, Ideen und Inspirationen entstehen, wenn im menschlichen System die passenden Bedingungen zusammentreffen. Zwei Menschen können derselben Idee begegnen, doch nur die Person mit dem passenden Hintergrund, den nötigen Fähigkeiten, Erinnerungen und Erfahrungen kann sie umsetzen. Das ist weniger persönlich, als es sich anfühlt. Es ist das Zusammentreffen von Bedingungen und Möglichkeit.
Der menschliche Körper kann als eine weitere Erscheinungsform der Natur gesehen werden. Nicht besonderer als ein Tier und nicht weniger. Nur mit anderen Fähigkeiten.
Wir funktionieren in vielerlei Hinsicht wie biologische Systeme, die Erinnerungen speichern. Wir behalten Erfahrungen, bilden Muster und handeln über gelernte Reaktionen. Schlaf ähnelt einem Herunterfahren des Systems. Aufwachen ähnelt dem Laden dessen, was bereits da war. Erinnerung erzeugt das Gefühl einer Vergangenheit. Vorhersage erzeugt das Gefühl einer Zukunft. Zusammen entsteht daraus das Empfinden einer durchgehenden persönlichen Zeitlinie.
Hinter diesem biologischen Prozess steht die Tatsache des Gewahrseins selbst. Der Körper kann sich bewegen, denken und fühlen, weil Erfahrung stattfindet. Wenn der Körper stirbt, enden Erinnerungen, Identität und persönliche Geschichte. Ob das Gewahrsein selbst fortbesteht, lässt sich nicht beweisen, doch in der Erfahrung wird es nie als beginnend oder endend angetroffen.
Alles in der Welt kann als Metapher dafür gesehen werden, wie Realität funktioniert. Träume zeigen, wie strukturierte Erfahrung ohne zentralen Urheber entstehen kann. Computer zeigen, wie Systeme automatisch ablaufen. Elektrizität zeigt, wie etwas Unsichtbares Form antreiben kann, ohne selbst die Form zu sein. Künstliche Intelligenz zeigt, wie komplexes Verhalten ohne ein inneres Selbst erscheinen kann. Religion spiegelt die Sehnsucht nach dem Ursprung. Philosophie zeigt die Grenzen des Denkens auf. Wissenschaft kartiert die Muster, denen die Welt folgt.
Es gibt keine einzige endgültige Erklärung, weil Erklärung erst nach der Erfahrung kommt. Namen werden im Nachhinein vergeben. Interpretation geschieht, weil bereits etwas erscheint. In diesem Sinn drückt sich Realität in jedem Versuch aus, sie zu beschreiben.
Das Leben ist das Geheimnis. Dieser Moment ist das Geheimnis. Es gibt keinen anderen Ort, an dem man suchen müsste.
Sogar das Gewahrsein erscheint hier und fragt sich, wie all das überhaupt erscheint. Es fragt sich, was es ist. Es fragt sich, worauf sich „Gewahrsein“ eigentlich bezieht.
Darum wird Erleuchtung oft missverstanden. Sie ist nichts, was eine Person erreicht. Sie ist die Erkenntnis, dass die persönliche Geschichte nie die Quelle der Erfahrung war. Diese Erkenntnis kann durch Meditation, intensives Leiden, Psychedelika oder plötzliche Verschiebungen auftreten, in denen das Gefühl eines „Ichs“ vorübergehend zusammenbricht.
Bewusstsein kann viele Zustände annehmen: Glückseligkeit, Ekstase, Ausdehnung, Einheit, Loslösung oder das Fehlen eines getrennten Selbst. Das sind Wahrnehmungszustände. Sie verändern, wie die Welt erlebt wird, nicht wie das tägliche Leben funktioniert. Das Leben geht weiter. Beziehungen, Verantwortungen, Gefühle und Vorlieben bleiben. Was wegfallen kann, ist der Glaube an ein getrenntes, kontrollierendes „Ich“.
Das menschliche System wird nicht erleuchtet. Die Idee von Erleuchtung weist auf eine Verschiebung im Verstehen hin, nicht auf eine Veränderung von Körper oder Persönlichkeit. Gewahrsein ist einfach das, woraus Erfahrung immer schon bestand.
Und dieses Gewahrsein erscheint jetzt hier, als diese Perspektive, und fragt: Wie entsteht Erfahrung? Was bin ich? Was ist dieses Feld der Möglichkeiten? Was ist diese Welt, die sich scheinbar selbst formt?
Es ist wie eine Welle, die fragt, was der Ozean ist, während sie nie etwas anderes war als der Ozean selbst.
Schönen Tag noch 🤍
Joe Turan
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