Du suchst dich im anderen und nennst es Liebe.

Veröffentlicht am 20. April 2026 um 22:13

Ein Morgenimpuls für dich ☀️ 

Die größte existenzielle Verwirrung, in die ein Mensch geraten kann, ist, eine Beziehung einzugehen auf der Suche nach seinem verlorenen Selbst.

 

Wir leben in einer Welt wandernder Seelen, die sich noch nicht die Mühe gemacht haben, in ihren eigenen Minen zu graben, und deshalb beginnen, die Seelen anderer unter dem Namen Liebe zu bewohnen.

 

Doch die schmerzhafte psychologische Wahrheit sagt: Wer sich selbst nicht kennt, sucht sich vielleicht im anderen und nimmt es dem anderen dann übel, wenn er sich dort nicht findet.

 

In meiner Praxis sehe ich nicht so sehr Liebende, sondern eher emotionale Geflüchtete. Der Klient kommt herein und trägt ein schwarzes Loch in seiner Identität. Er glaubt, der andere Mensch sei das fehlende Stück, das das Bild seiner Ganzheit vollenden wird. Diese Art von Bindung ist keine reine Liebe. Sie ist eine Form der Projektion, die dem anderen Menschen noch nicht erlaubt, wirklich getrennt zu sein. Du liebst nicht nur den anderen. Du liebst auch die Version von dir selbst, die du gern gewesen wärst und die du bei ihm zur Verwahrung hinterlegt hast.

 

Die Tragödie beginnt, wenn der Rausch der Projektion endet und die Nüchternheit der Realität beginnt. Wenn du entdeckst, dass der andere nicht du bist, dass er die Antworten auf deine existenziellen Fragen nicht in sich trägt und dass er die Lücke in dir nicht füllen kann, kann der psychologische Wechsel von Faszination zu Enttäuschung, Groll oder Feindseligkeit beginnen. Vielleicht hasst du ihn nicht, weil er sich verändert hat, sondern weil er daran gescheitert ist, du zu sein. Dein Hass auf ihn kann in Wahrheit Hass auf deine eigene Unfähigkeit sein, verkörpert in deiner Enttäuschung über ihn.

 

Andere als Werkzeuge zur Selbstdefinition zu benutzen, ist ein ethischer Bankrott, bevor es eine psychologische Wunde ist. Der Mensch, der kein eigenes Zentrum besitzt, wird weiter um andere kreisen, und wenn das Licht erlischt, wird er die Umlaufbahn beschuldigen, nicht das Fehlen seines eigenen inneren Lichts. Wir belasten andere mit der Verantwortung für unsere Erlösung, und wenn wir entdecken, dass sie Menschen sind wie wir, werden wir von existenziellem Groll getroffen.

 

Aus dieser Verwirrung herauszukommen, verlangt radikale Ehrlichkeit: aufzuhören, andere zu zerbrechen, um dich selbst mit ihren Brüchen zu reparieren. Selbstsouveränität verlangt, dass du deine psychische Landschaft kennst, deine Schatten und deine Schönheit, bevor du jemanden einlädst, dich zu besuchen. Eine echte Beziehung beginnt nicht allein mit Vervollständigung, sondern mit Überfluss: vollständig genug in deiner Einsamkeit zu sein, damit du weißt, wie du Teilhabe schenken kannst.

 

Denk immer daran: Der andere ist keine Klinik und kein Spiegel, um deine Fehler zu korrigieren. Wer an die Türen von Herzen klopft, ohne den Schlüssel zu sich selbst zu tragen, wird oft enttäuscht zurückkehren, beladen mit einem Hass, der nicht nur den anderen gehört, sondern dem Fremden, der in ihm lebt und dem er nicht ein einziges Mal die Hand zu reichen wagte.

 

Have a nice day 🤍 

 

Joe Turan

🌐 www.joeturan.com 

 

Wenn dir mein Content gefällt, unterstütze mich, indem du mir auf Instagram folgst:

 

IG: @joeturan1

 

Hier geht’s zu meinem Profil:

www.instagram.com/joeturan1

 

Danke 💚

Kommentar hinzufügen

Kommentare

Es gibt noch keine Kommentare.