Vielleicht bist du nicht müde vom Leben, sondern vom Krieg in dir.
Ein Morgenimpuls für dich ☀️
Ich glaube nicht mehr, dass ein Mensch eine einzige, klare Stimme ist, die durchs Leben geht. Die meisten von uns sind ein überfülltes Haus. Ein Teil will geliebt werden. Einer will alles kontrollieren, bevor er verletzt werden kann. Einer wartet immer noch darauf, dass jemand sagt: ‚Du bist jetzt genug.‘ Einer rennt vor dem Schmerz weg, noch bevor er überhaupt da ist. Einer jagt der Freiheit hinterher, weiß aber nicht, was er mit der Stille anfangen soll, wenn sie endlich kommt. Und irgendwo tiefer gibt es einen stillen Teil, der all das seit Jahren gesehen hat und müde ist, ignoriert zu werden.
Vielleicht ist das der Grund, warum dasselbe Ereignis einen Menschen zerbrechen und einen anderen reifer machen kann. Das Ereignis ist nicht immer die ganze Wunde. Manchmal ist die eigentliche Wunde der Teil in uns, der das Ereignis durch alte Angst, alte Scham, alten Hunger und alte Beweise empfängt, dass Liebe verdient werden muss. Heute wird ein Wort gesprochen, aber der Körper hört einen Satz aus der Kindheit. Jemand geht, und plötzlich ist es der verlassene Ort in uns, der die Realität deutet. Wir glauben, wir reagieren auf die Gegenwart, aber oft hat die Vergangenheit still den Stuhl übernommen.
Angst ist nicht dumm. Sie war einmal ein Wächter. Sie hat gelernt, an der Tür zu stehen und nach Gefahr Ausschau zu halten. Aber wenn ein Wächter vergisst, dass der Krieg vorbei ist, wird er zum Gefängniswärter. Verlangen ist auch nicht falsch. Es kann uns bewegen, aufbauen, schärfen. Aber wenn es den Kontakt zu dem tieferen Bedürfnis darunter verliert, beginnt es, von außen zu essen, und bleibt trotzdem leer. Wir sagen, wir wollen Geld, aber oft wollen wir Sicherheit. Wir sagen, wir wollen Anerkennung, aber oft wollen wir uns gesehen fühlen, ohne etwas leisten zu müssen. Wir sagen, wir wollen Kontrolle, aber oft wollen wir uns einfach nicht wieder machtlos fühlen.
Und das Ego, armes Ding, ist nicht immer arrogant, weil es zu viel weiß. Manchmal ist es arrogant, weil es panische Angst hat zuzugeben, dass es nicht weiß. Es verteidigt lieber eine schmerzhafte Identität, als nackt vor einer befreienden Wahrheit zu stehen. Sogar Spiritualität kann zu einer weiteren Maske werden, wenn sie uns überlegen fühlen lässt, statt ehrlicher.
Vielleicht geht es also nicht darum, diese Teile zu zerstören. Nicht darum, die Angst zu beschämen, das Verlangen zu töten, das Ego zu zerquetschen oder die Wunde auszulöschen. Vielleicht geht es darum, nicht länger den lautesten Teil das ganze Leben führen zu lassen. Sich in sich selbst hinzusetzen und mit etwas Disziplin und etwas Milde zu fragen: Wer spricht gerade? Die Wunde, das Kind, die Angst, das Bild, der Hunger oder der Teil in mir, der endlich sehen kann?
Echte Freiheit kann dort beginnen. Nicht dann, wenn das Leben leicht wird. Nicht dann, wenn alle zustimmen. Nicht dann, wenn die äußere Welt endlich still genug wird. Sondern dann, wenn wir aufhören, überall nach dem Frieden zu suchen, den wir in uns selbst verlassen haben.
Wenn du beim Lesen gemerkt hast, dass nicht das Leben allein dich müde macht, sondern der Kampf in dir, dann schau genauer hin. Vielleicht ist es Zeit, nicht mehr den lautesten Anteil führen zu lassen, sondern den Teil in dir, der endlich sehen kann. Wenn du spürst, dass das gerade dein Thema ist, melde dich. Schreib mir hier oder per WhatsApp.
Joe Turan
www.joeturan.com
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