Heilung und die Bewältigung von Traumata sind ohne Trauer kaum möglich
Ein Morgenimpuls für dich ☀️
Heilung und die Bewältigung von Traumata sind ohne Trauer kaum möglich, da sie als notwendiger psychischer und physiologischer Anpassungsprozess Verluste und vergangene Verletzungen realisierbar und loslassbar macht, denn was wir dauerhaft betäuben oder vermeiden, kann sich kaum wirklich integrieren.
Ich selbst merke, wie schwer mir Trauer fällt, weil ich nie wirklich gelernt habe zu trauern. Bis heute fällt es mir schwer, dieses Gefühl auszuhalten und einfach bei ihm zu bleiben.
Obwohl ich darüber fast täglich spreche und vielen Menschen helfe, mit Verlusten umzugehen, fällt es mir selbst noch immer schwer, an meine eigene Trauer heranzukommen. Ich war in meinem Leben unglaublich kreativ darin, Wege zu finden, sie nicht fühlen zu müssen. Ich habe sie mit Alkohol, Rauchen, Sex, Essen und anderen Dingen betäubt. Und je mehr ich versucht habe, sie nicht zu fühlen, desto größer wurde die Leere in mir.
Wenn du ähnlich damit kämpfst wie ich, wäre mein Tipp: Versuch nicht, die Trauer zu erzwingen, sondern schaffe erst einmal genug Raum und Sicherheit, damit du nicht mehr vor ihr weglaufen musst, denn wenn jemand über Jahre versucht hat, sich mit Alkohol, Drogen, Sex, Essen, Arbeit oder ständiger Ablenkung zu betäuben, besteht der erste Schritt oft darin, wieder zu lernen, bei kleinen Mengen von Gefühl präsent zu bleiben, ohne sofort nach dem alten Betäubungsmittel zu greifen.
Ein möglicher praktischer Einstieg wäre:
1. Beginne mit dem Verlust, nicht mit dem Gefühl. Frage dich: „Worum genau trauere ich?“, und werde dabei so konkret wie möglich, vielleicht geht es um einen Menschen, deine Kindheit, verlorene Jahre, deine Gesundheit, eine Beziehung oder um den Menschen, der du vielleicht hättest werden können, ohne dabei von dir zu verlangen, dass du weinst oder überhaupt sofort etwas Bestimmtes fühlst, denn allein den Verlust zu benennen bedeutet bereits, mit ihm in Kontakt zu kommen.
2. Nähere dich der Trauer in kleinen Dosen. Gib dir zehn oder fünfzehn Minuten, statt zu versuchen, einen emotionalen Durchbruch zu erzwingen, und sage oder schreibe: „Was ich verloren habe, war … Was ich wollte, war … Was ich nie bekommen habe, war … Was daran wehtut, ist …“, und höre danach bewusst wieder auf, denn Trauer wird oft zugänglicher, wenn dein System weiß, dass es einen Ausgang gibt und du nicht für immer darin bleiben musst.
3. Nimm zuerst wahr, was tatsächlich auftaucht. Es muss keine Traurigkeit sein, vielleicht kommt zunächst Wut, Leere, Taubheit, Gereiztheit, Schwere, der Wunsch wegzulaufen, Druck in der Brust oder der Gedanke „Das bringt doch nichts“, und statt daran vorbeizugehen, um endlich die „eigentliche“ Trauer zu finden, lohnt es sich, genau dort zu bleiben, denn vielleicht ist gerade diese erste Reaktion die Tür zu dem, was darunter liegt.
4. Beobachte den Impuls, dich wieder zu betäuben. Wenn plötzlich das Verlangen nach Alkohol, anderen Substanzen, Essen, Sex, Scrollen oder einer anderen Form von Flucht auftaucht, werde neugierig und frage dich: „Was ist in den dreißig Sekunden passiert, bevor ich mich selbst verlassen wollte?“, denn genau dieser kurze Moment zeigt oft ziemlich deutlich, wo das Gefühl beginnt, vor dem du gelernt hast wegzugehen.
5. Gib der Trauer eine Form. Hier beginnt das Trauern: Du kannst einen Brief schreiben, den du niemals abschicken wirst, laut mit dem Menschen oder dem Leben sprechen, das du verloren hast, Fotos anschauen, einen bedeutungsvollen Ort besuchen, Musik hören, eine Kerze anzünden und sagen: „Ich wollte das. Ich habe es nicht bekommen. Ich kann das nicht mehr verändern“, denn Trauer geschieht in uns, während das Trauern ihr eine Form und damit einen Ort gibt, an den sie gehen kann.
6. Bleib gleichzeitig mit einem Fuß in der Gegenwart. Schau dich im Raum um, spüre deine Füße, nimm deinen Atem wahr oder halte etwas Festes in der Hand und erinnere dich an den Gedanken der Frau von vorhin: Du brauchst einen Anker im Jetzt, der stark genug ist, damit du die Vergangenheit besuchen kannst, ohne in ihr zu verschwinden.
Der tiefere Punkt ist, dass ein Mensch, der sich jahrelang betäubt hat, insgeheim oft etwas wie „Wenn ich diese Trauer einmal wirklich zulasse, wird sie nie wieder aufhören“ glaubt, und deshalb besteht die eigentliche Arbeit nicht darin, zu beweisen, dass du eine riesige Menge an Trauer aushalten kannst, sondern immer wieder die Erfahrung zu machen: Ich kann etwas davon fühlen, ohne darin unterzugehen, die Kontrolle zu verlieren oder mich selbst zu verlassen.
Eine Frage, die für mich noch tiefer geht als „Wie bringe ich mich dazu zu trauern?“, lautet:
„Was glaubt ein Teil von mir, würde passieren, wenn ich endlich aufhören würde, mich zu betäuben, und zulassen würde, dass die Trauer mich wirklich erreicht?“
Die Antwort auf diese Frage zeigt oft ziemlich genau, warum die Trauer bisher so schwer erreichbar geblieben ist.
Wenn du spürst, dass das gerade dein Thema ist, melde dich. Wir schauen in einem unverbindlichen Erstgespräch in Ruhe, worum es bei dir wirklich geht und ob meine Arbeit dazu passt. Ohne Druck. Schreib mir hier oder per WhatsApp.
Joe Turan
🌎 www.joeturan.com
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