Meine Frau hat vor ein paar Jahren aufgehört, mich sexuell zu begehren.
Ich: Wann hast du sie das letzte Mal nach ihren Ängsten, Hoffnungen und Träumen gefragt?
Er: Joe, ich frage dich nach ihrem sexuellen Verlangen, und du fragst mich nach ihren Träumen und Hoffnungen? Gib mir Tipps und Techniken, wie ich es zurückbekomme.
Ich: Das könnte ein Teil davon sein, warum ihr sexuelles Verlangen nachlässt.
Er: Was meinst du damit?
Ich: Du hast aufgehört, neugierig auf ihre innere Welt zu sein.
Er: Ich verstehe es immer noch nicht. Reden wir über Sex oder über etwas anderes?
Ich: Wir reden über Sex. Wenn keine medizinischen oder hormonellen Gründe eine Rolle spielen, kann chronischer Stress den Zugang zu sexuellem Verlangen deutlich erschweren. Einfach gesagt: Sie braucht weniger Stress, weniger Zeit nur in ihrem Kopf und mehr Raum, um sich sicher, verbunden und in ihrem Körper präsent zu fühlen.
Er: Und das ist meine Aufgabe, das für sie zu tun? Sie ist erwachsen. Sie muss lernen, das selbst zu tun.
Ich: So einfach ist es nicht. Es ist nicht deine Aufgabe, ihre Regulation für sie zu übernehmen. Aber du musst ehrlich hinschauen, wie viel du selbst zu ihrem Stress beiträgst.
Wenn sie deinen Teil übernehmen muss, weil du keine Verantwortung übernehmen willst, wenn sie deine emotionalen Achterbahnfahrten auffangen, mit deinen wechselnden Stimmungen und deiner Unbeständigkeit umgehen muss, dann bleibt sie vielleicht im Kopf, weil ihr das ein Gefühl von Kontrolle gibt. Und Kontrolle kann sich sicherer anfühlen als Loslassen.
Verlangen hat sehr wenig Raum, um zu wachsen, wenn jemand ständig das Gefühl hat, die Beziehung managen zu müssen.
Er: Was muss ich also tun?
Ich: Sei ein Mann.
Übernimm Verantwortung für deine eigenen Emotionen und dafür, sie selbst zu regulieren, damit sie nicht deine Therapeutin spielen muss. Übernimm Verantwortung für die Planung und Organisation deines eigenen Lebens, damit sie nicht deine Mutter spielen muss.
Denn es ist für eine Frau sehr schwer, einen Mann sexuell zu begehren, für den sie sich wie eine Mutter verantwortlich fühlt.
Er: Und dann wird sie Sex mit mir haben?
Ich: Wirklich? Das ist dein Ziel? Sex?
Er: Ja.
Ich: Warum willst du Sex haben? Was ist dein Ziel beim Sex?
Er: Spaß. Weil ich es mag. Und um mich nach dem Orgasmus zu entspannen.
Ich: An Lust oder einem Orgasmus ist nichts falsch. Aber wenn der Orgasmus dein einziges Ziel wird, hast du ein Problem.
Er: Warum? Was hast du gegen Sex? Sogar in deinen Artikeln habe ich manchmal das Gefühl, dass du ein Problem mit Sex hast.
Ich: Ich war früher sexsüchtig. Ich weiß, wie es ist, vierundzwanzig Stunden am Tag an Sex zu denken. Und aus meiner eigenen Erfahrung hat mir geholfen, meine Sicht auf Sex zu verändern.
Er: Wie?
Ich: Statt Frauen als Objekte zu benutzen, durch die ich zu einem Orgasmus kommen konnte, habe ich gelernt, präsent zu sein und ihnen wirklich zu begegnen.
Davor habe ich Frauen benutzt, um meine Unsicherheiten zu kompensieren. Ich wollte Bestätigung. Ich wollte mich begehrt fühlen. Ich habe Sex benutzt, um nicht bei meinen eigenen Themen sitzen und mir die Teile von mir anschauen zu müssen, denen ich nicht begegnen wollte.
Er: Erklär das genauer.
Ich: Ich habe aufgehört, Sex zur Regulation oder als Quelle von Bestätigung zu benutzen. Bevor ich irgendeine Frau traf, begann ich mich zu fragen:
Was willst du wirklich von ihr?
Sex?
Bestätigung?
Oder willst du dich wirklich mit ihr verbinden?
Und nur wenn die ehrliche Antwort Verbindung war, machte ich weiter. Und ich ging vorsichtig weiter.
Er: Vorsichtig?
Ich: Ja.
Wenn meine Absicht ist, mich mit ihr zu verbinden, dann muss ich sie kennenlernen. Ich kann nicht mit irgendeiner Frau schlafen, bevor ich sie kenne. Deshalb muss ich neugierig auf ihre innere Welt werden.
Ich will etwas über ihr Leben wissen. Was macht sie glücklich? Was beschäftigt sie? Was braucht sie? Wo liegen ihre Grenzen? Was sind ihre Hoffnungen und Träume? Wovor hat sie Angst? Was hat sie zu der Frau gemacht, die sie heute ist? Was trägt sie allein? Wo fühlt sie sich missverstanden? Was lässt sie sich lebendig fühlen? Was lässt sie sich verschließen? Was hilft ihr, sich zu öffnen? Was hat sich in den letzten Jahren in ihr verändert, das vielleicht niemand bemerkt hat, weil sich niemand die Mühe gemacht hat hinzuschauen?
Und dann höre ich zu.
Ich stelle diese Fragen nicht, während ich insgeheim nur auf meine Gelegenheit warte, sie zu beeindrucken, sie zu berühren, sie zu verführen oder alles in Richtung Sex zu lenken.
Wenn ich mich entscheide, einer Frau wirklich zu begegnen, statt sie zu benutzen, muss ich sie kennenlernen. Und das braucht Zeit.
Ich muss langsam vorgehen.
Vertrauen lässt sich nicht beschleunigen. Intimität lässt sich nicht einfordern. Und echtes Verlangen lässt sich nicht herbeiverhandeln.
Langsam vorzugehen garantiert nicht, dass eine Frau dich sexuell begehren wird. Es gibt echter Verbindung und echtem Verlangen einfach genug Raum, ohne Druck entstehen zu können.
Er: Das ist also der Trick, damit Frauen mit mir Sex haben?
Ich: Du kannst versuchen, es als Trick zu benutzen. Du wirst wahrscheinlich scheitern.
Frauen haben oft sehr feine Antennen für den Unterschied zwischen echtem Interesse und einer Inszenierung mit versteckter Absicht.
Du kannst alle richtigen Fragen stellen. Du kannst Dates planen. Du kannst zuhören. Du kannst jede Beziehungstechnik der Welt lernen.
Aber wenn du unter all dem denkst: Wann bringt mir das endlich Sex?, dann begegnest du ihr immer noch nicht wirklich.
Du spielst Verbindung, um Zugang zu ihrem Körper zu bekommen.
Er: Was muss ich dann tun?
Ich: Sei echt.
Sei authentisch.
Interessiere dich für sie, statt ständig damit beschäftigt zu sein, für sie interessant zu wirken.
Hör nie auf, sie neu zu entdecken, egal wie gut du glaubst, sie bereits zu kennen.
Hör nicht auf, mit ihr auf Dates zu gehen.
Bleib neugierig darauf, was sie beschäftigt, was ihr Freude macht, was sich in ihr verändert hat und was sie heute braucht, was sie vor fünf Jahren vielleicht noch nicht gebraucht hat.
Gib ihr Raum, sich auszudrücken, ohne sie sofort reparieren zu wollen, dich zu verteidigen, zu erklären, was du eigentlich gemeint hast, oder ihr zu sagen, warum ihre Gefühle falsch sind.
Und wenn sie dir genug vertraut, um dir etwas Verletzliches zu zeigen, benutze diese Verletzlichkeit später niemals in einem Streit gegen sie.
Wenn sie ehrlich mit dir sprechen kann, ohne vorher deine Stimmung einschätzen oder Angst davor haben zu müssen, wie du reagieren wirst, bewegst du dich in die richtige Richtung.
Er: Und wie haben sich deine sexuellen Erfahrungen verändert, nachdem du aufgehört hattest, Frauen als Objekte zu benutzen?
Ich: Ich begann, Frauen als Menschen mit Würde zu sehen, nicht als Trophäen, die es zu erobern galt.
Ich hörte auf, in jede Begegnung mit der Frage hineinzugehen: Werde ich sie bekommen?
Ich interessierte mich mehr für die Frau, die vor mir saß.
Wer ist sie?
Was passiert in ihr?
Mag ich sie überhaupt wirklich?
Fühlt sie sich wohl mit mir?
Verbinden wir uns wirklich miteinander?
Gibt es Verlangen zwischen uns, oder versuche ich, es künstlich herzustellen, weil ich etwas von ihr brauche?
Sex war nicht mehr der Beweis dafür, dass die Begegnung erfolgreich gewesen war.
Er: Aber sie ist meine Frau. Ich kenne sie doch schon.
Ich: Wirklich?
Du kennst ihre Geschichte. Du kennst ihre Gewohnheiten. Du weißt, was sie im Restaurant bestellt. Du weißt, wie sie schläft. Du weißt, was sie nervt.
Aber weißt du, was heute in ihr passiert?
Menschen verändern sich leise in langjährigen Beziehungen.
Manchmal wird der Mensch, der jede Nacht neben uns schläft, zu dem Menschen, über den wir am wenigsten wissen wollen.
Er: Wo soll ich also anfangen?
Ich: Frag sie etwas, vor dem du vielleicht Angst hast.
„Wann hast du angefangen, dich mit mir allein zu fühlen?“
Und dann hör zu.
Er: Und was, wenn ihre Antwort mich verletzt?
Ich: Lass sie ausreden.
Erklär ihr nicht sofort, was du eigentlich gemeint hast.
Verteidige dich nicht.
Korrigiere ihre Erfahrung nicht.
Du hast gefragt, wohin ihr Verlangen verschwunden ist. Vielleicht erzählt sie dir endlich etwas darüber, was zwischen euch passiert ist, bevor es verschwunden ist.
Er: Und wenn ich all das ändere, wird sie mich dann wieder begehren?
Ich: Ich weiß es nicht.
Es gibt keine Garantie.
Ihr Körper ist keine Belohnung, die du dafür bekommst, dass du emotionale Arbeit machst.
Es kann medizinische oder hormonelle Gründe geben. Es kann alte Verletzungen geben, die Zeit und Wiedergutmachung brauchen. Es kann Probleme zwischen euch geben, denen ihr euch beide stellen müsst. Und vielleicht trägt sie eine Wahrheit über eure Beziehung in sich, die du nicht hören willst.
Er: Warum sollte ich das alles dann überhaupt tun?
Ich: Weil du sonst immer noch versuchst, aus Nähe ein Geschäft zu machen.
Wenn du nur verantwortlicher, neugieriger und emotional verfügbarer wirst, damit sie dir am Ende wieder Sex gibt, dann begegnest du ihr immer noch nicht wirklich.
Tu es, weil du ein Mann werden willst, der der Frau, von der er sagt, dass er sie liebt, wirklich begegnen kann.
Und das bedeutet manchmal, etwas zu hören, das weh tut.
Vielleicht wird sie dir erzählen, wie allein sie sich neben dir gefühlt hat. Vielleicht wirst du Dinge über eure Beziehung hören, die du ganz anders erlebt hast. Vielleicht wirst du erkennen, dass sie etwas schon sehr lange in sich trägt, während du dich gefragt hast, warum sie keinen Sex mehr will.
Und vielleicht gibt es auch Dinge, die gar nichts mit dir zu tun haben.
Ich weiß nicht, was ihre Antwort sein wird.
Aber wenn du wirklich wissen willst, wohin ihr Verlangen gegangen ist, musst du bereit sein, sie zu hören. Ohne sie dafür zu bestrafen.
Ohne sofort zu erklären, warum du es anders gemeint hast. Und ohne direkt zu fragen, was du jetzt tun musst, damit sie dich wieder begehrt.
Bevor du sie bittest, sich dir sexuell wieder zu öffnen, sei bereit zu erfahren, wie sich ihr Leben an deiner Seite tatsächlich angefühlt hat.
Auch wenn ihre Antwort dich trifft.
Bleib da. Und hör ihr zu.
Wenn du spürst, dass das gerade dein Thema ist, melde dich. Wir schauen in einem unverbindlichen Erstgespräch in Ruhe, worum es bei dir wirklich geht und ob meine Arbeit dazu passt. Ohne Druck. Schreib mir hier oder per WhatsApp.
Joe Turan
🌎 www.joeturan.com
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